5. Februar 2010
Respekt vor der Autonomie ist ein zentrales ethisches Prinzip, das auch im medizinischen Kontext große Bedeutung erlangt hat. Onkologische Patienten stehen aufgrund der existenziellen Bedrohung durch die Erkrankung in einem besonders assymetrischen Verhältnis zu ihrem Arzt. Sie sind nicht nur auf medizinisch fachliche Hilfe angewiesen, sondern auch auf Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Der Wandel vom Paternalismus zur Autonomie hat – nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen – dazu geführt, dass Patienten jede Behandlung autorisieren müssen und dabei manchmal auch Entscheidungen delegiert werden. Um rechtlich relevante Aufklärungsmängel zu vermeiden, werden Patienten sehr umfassend und defensiv aufgeklärt, was zu Verängstigung und Überforderung führen kann. So kann die zum Nutzen der Patienten gedachte Autonomie manchmal in der Not der Krankheit auch zu einer Falle werden. Um diese Fehlentwicklung zu vermeiden, ist besondere Aufmerksamkeit auf sensible und kontinuierliche Aufklärung, Begleitung und gemeinsame Entscheidungsfindung zu richten.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag
4. Februar 2010
Gerade angesichts der zunehmenden Implementierung ökonomischer Denk- und Wertmuster in die Medizin läuft die moderne Medizin Gefahr, sich allein an den ökonomischen Selbstgesetzlichkeiten zu orientieren und hierbei ihre ureigene Identität als Institution der Hilfe nicht mehr zum Kerngehalt ihres Seins zu erklären. Medizin bedeutet aber mehr als Befolgung von Klientenwünschen. Vielmehr konstituiert sich Medizin durch die Ausrichtung auf das Wohl des Patienten. Hierzu ist es notwendig, Autonomie und Fürsorge miteinander in Verbindung zu bringen. Es wird dafür plädiert, die soziale und karitative Dimension der Arzt-Patient-Beziehung aufrechtzuerhalten und diese gerade im Bereich der Onkologie nicht dem Kriterium der Marktfähigkeit unterzuordnen.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag
3. Februar 2010
Sport und körperliche Aktivität sind wirksame Maßnahmen der Gesundheitsförderung. Ihre Rolle bei Tumorpatienten wurde jedoch lange Zeit unterschätzt. Weltweit machen Lebensumstände etwa 50–75% des Krebsrisikos aus. Bei einer wachsenden Zahl von Malignomen ist Bewegungsmangel neben Adipositas und Fehlernährung von kritischer Bedeutung. Das Bindeglied zwischen Adipositas, Bewegungsmangel und Krebs stellen die insulinartigen Wachstumsfaktoren dar, die evtl. für die Entwicklung einer endokrinen Therapieresistenz mitverantwortlich sind. Die Beeinflussung des Glukose- und Insulinstoffwechsels entwickelt sich deshalb zu einer neuen und ergänzenden Strategie gegen malignes Zellwachstum. Darüber hinaus zeigten zahlreiche Untersuchungen, dass regelmäßige körperliche Aktivität bei Tumorpatienten nicht nur zu einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern auch zu einer Reduktion der Nebenwirkungen der Therapie (v. a. der Fatigue), einer Stimmungsaufhellung und einer Zunahme der Lebensqualität führt.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag
Der Beitrag entwirft ein Gerechtigkeitskonzept, das im Sinne der WHO von der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen im Blick auf ihr Recht auf Leben und damit verbunden ihr Recht auf eine bestmögliche Behandlung bei Krebserkrankungen und den daraus resultierenden Pflichten ausgeht. Dabei stellt sich insbesondere das Problem der Verteilungsgerechtigkeit bei der Krebstherapie, sobald man über den nationalen Tellerrand hinausschaut und global denkt. So standen im Jahr 2006 beispielsweise für Menschen im Kongo 18 $, für uns in Deutschland 3328 $ und für US-Bürger 6714 $ im Durchschnitt zur Verfügung.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag
1. Februar 2010
Bei der Therapie des Mammakarzinoms entstehen erhebliche Behandlungskosten. Im Rahmen der hier durchgeführten pharmakoökonomischen Studie wird der Einfluss von Mistelpräparaten auf die Behandlungskosten während der Nachsorge, beginnend mit dem Ende der adjuvanten Therapie, untersucht. Patienten der Verumgruppe haben während der Nachsorge ergänzend Mistelpräparate eingenommen, die der Kontrollgruppe hingegen nicht. Bei der dritten Patientengruppe der Wechsler wurde während der Nachsorge zwischen einer Therapie mit und ohne Mistelpräparate gewechselt. Somit konnte untersucht werden, ob sich durch die Einnahme von Mistelpräparaten Auswirkungen auf die anfallenden Kosten nachweisen lassen. (weiterlesen…)
30. Januar 2010
Sekundäre Pflanzenstoffe haben gemäß präklinischen und epidemiologischen Daten interessante Eigenschaften bei der Prävention in der Onkologie. Während die Bedeutung einer gesunden Ernährung unbestritten ist, sind jedoch die epidemiologischen Daten für einzelne dieser Stoffe noch widersprüchlich. Prävention kann nicht auf einen einzelnen Pflanzenstoff oder eine Gruppe von einzelnen sekundären Pflanzenstoffen aufgebaut werden. Präklinisch liegen für alle diese Substanzen ebenfalls interessante Daten bezüglich ihrer direkten antitumoralen Wirkung vor. Sie weisen gleichzeitig aber auch auf das hohe Interaktionspotenzial hin und zeigen auch, dass die hochdosierte Einnahme von wirkungsvollen sekundären Pflanzenstoffen potenziell schädigende Wirkungen hat. Der Einsatz in Form von Nahrungsergänzungsmitteln außerhalb von klinischen Studien ist nicht empfehlenswert.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag
29. Januar 2010
Homöopathische Behandlungen werden in deutschsprachigen, aber auch in anderen Ländern von Krebspatienten häufig und z. T. über längere Zeiträume in Anspruch genommen. Prospektive Beobachtungsstudien zur Anwendung bei den verschiedensten Erkrankungen weisen in der Regel auf einen Nutzen der homöopathischen Behandlung hin. Die vorliegenden randomisierten Therapiestudien und deren Ergebnisse werden in den bisher publizierten Übersichtsarbeiten und Metaanalysen kontrovers beurteilt.
Zur Anwendung bei Patienten mit einer Tumorerkrankung liegen bis heute nur relativ wenige wissenschaftliche Untersuchungen vor. Sie werden in der vorliegenden Arbeit dargestellt und diskutiert. Einzelne Studien zeigen günstige Effekte auf Nebenwirkungen antitumoraler Therapien sowie auf die Lebensqualität tumorkranker Patienten. Diese Ergebnisse bedürfen aber einer Replikation in methodisch angemessenen und aussagekräftigen Folgestudien. Zur Frage einer möglichen antitumoralen Wirksamkeit sind bisher keine vergleichenden Studien durchgeführt worden. In den derzeit publizierten Studien wurden keine ernsten unerwünschten Wirkungen und keine Interaktionen mit konventionellen antitumoralen Therapien berichtet.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag
28. Januar 2010
Unter der Alternativmedizin versteht man verschiedene medizinische und pseudomedizinische Behandlungskonzepte, die als Ersatz für konventionelle Methoden eingesetzt werden. Die meisten der aktuellen alternativen Methoden basieren auf Konzepten, die kaum schlüssig und darüber hinaus nicht evaluiert sind. Entsprechend sind die Methoden wie Ukrain, Vitamin B17 (Laetrile), Ernährung nach Dr. Coy, Redifferenzierungstherapie nach Kremer, Therapie nach Dr. Hulda Clark, Neue Germanische Medizin nach Hamer, Insulinpotenzierte Therapie, Flor Essence, oder Galavit abzulehnen. Therapeutische Maßnahmen, die alternativ zur konventionellen Medizin eingesetzt werden sollen, sollten unter Berücksichtigung von Therapiesituation, Tumorentität und der vorliegenden Erfahrungen nach rationalen Gesichtspunkten eingesetzt werden. Unter dieser Prämisse müssen sie nicht als alternative Therapien im herkömmlichen Sinne, sondern als Bestandteil einer rationalen, wissenschaftlichen Medizin gesehen werden.
Quelle: SpringerLink – Zeitschriftenbeitrag